Standards und Tourismus

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Update Dezember 2012

Standards für Dienstleistungen auf der Tagesordnung, mit Aktualisierung der Standardisierungsregeln.

Der EU-Rat hat kürzlich eine neue Verordnung mit dem Ziel verabschiedet, das europäische Standardisierungssystem zu verbessern. Die neue Verordnung, die ab 1. Januar 2013 gültig ist, wird es europäischen Normierungsgremien ermöglichen, Standards nicht nur für Produkte, sondern auch für Dienstleistungen zu entwickeln. Sie wird auch eine größere Beteiligung von Konsumenten und sozialen Organisationen hinsichtlich Standardisierungsaktivitäten beinhalten, und die Repräsentanz und Teilnahme von KMUs in diesem Prozess unterstützen.

Die Grundlage der Standardisierungsreform wird in der Kommissionsmitteilung Eine strategische Vision für Europäische Standards erklärt.

Update Oktober 2011

Der Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz des Europäischen Parlaments (IMCO) hat mit der Prüfung der neuen Normungsstrategie, die die Europäische Kommission im Juni veröffentlicht hat, begonnen. Das Ausschussmitglied, das den Bericht koordiniert, ist MdEP Lara Comi aus Italien.
Im September trafen sich Vertreter des Tourismus-Netzwerks NET, dem auch IAAPA Europe angehört, mit einem der an der Ausarbeitung der Standardisierungspolitik beteiligten EU-Beamten.

Das Europäische Parlament ist schon lange ein Befürworter der Normierung und was Produktstandards angeht werden ihm viele in der Tourismusbranche zustimmen. Die Norm der Freizeitbranche zur Vergnügungsparks-Sicherheit, EN 13814, die kürzlich von Branchenvertretern überarbeitet wurde, genießt hohes Ansehen.
Umstritten ist nach wie vor die Festlegung von Normen für Dienstleistungen. Die neuen Vorschläge der Europäischen Kommission sollen genau hierfür den Weg ebnen, doch vielen in der Tourismusbranche widerstrebt diese Vorstellung. Der Beamte der Kommission, der sich im September mit den NET-Mitgliedern traf, betonte, wie wichtig es ist, dass die Normvorschläge marktorientiert sind. Er zeigte sich überrascht als ihm NET von der mangelnden Transparenz und Rücksprache mit der Industrie seitens der CEN bei Initiativen zur Erstellung von Dienstleistungsnormen im Tourismusbereich berichtete. NET erklärte sich bereit, ihn genauer zu informieren. (CEN ist das Europäische Komitee für Normung.)
Der derzeitige Zeitplan für den Bericht des Parlaments sieht vor, dass der IMCO-Ausschuss Ende März 2012 darüber abstimmt und die abschließende Abstimmung im gesamten Parlament Ende Mai erfolgt.

Update August 2011

Die neuen Vorschläge der Kommission folgen der im Jahr 2010 durchgeführten öffentlichen Konsultation, zu der auch IAAPA Europe seinen Beitrag geleistet hat. (Sie können die Stellungnahme der IAAPA hier nachlesen [Link einfügen]). Die bestehenden europäischen Richtlinien wurden geändert und ein neuer Rechtsrahmen für die EU-Unterstützung und Förderung der Normierung eingerichtet.

In den europäischen Institutionen gibt es beträchtliche Unterstützung für die Anwendung von Normen als Mittel zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen, von der auch Verbraucher profitieren. Wie die Kommission selbst sagt, „handelt es sich bei Richtlinien um eine Reihe von freiwilligen technischen und qualitativen Kriterien für Produkte, Dienstleistungen und Produktionsverfahren. [...] Sie fördern die Kooperation zwischen Unternehmen und wirken sich letztlich für Verbraucher kostengünstig aus." Normen werden auch als wichtig für die ordnungsgemäße und effiziente Funktionsweise des EU-Binnenmarktes angesehen.

Mitglieder von IAAPA Europe haben schon lange die Bedeutung der europäischen Norm 13814 für die Sicherheit ihrer Kunden und den Erfolg ihrer Unternehmen erkannt. Auf dieser Grundlage wird nun über die Entwicklung eines neuen internationalen Standards für die Sicherheit von Vergnügungsparks diskutiert. Hierbei handelt es sich um ein Paradebeispiel für die Zusammenarbeit zwischen der Branche und den Normungsgremien.

Neu an den aktuellen Vorschlägen ist, dass zum ersten Mal auch Dienstleistungs-Richtlinien in den Geltungsbereich der Gesetzgebung aufgenommen werden. Im Fall ihrer Verabschiedung wird die überarbeitete Gesetzgebung es der Europäischen Kommission ermöglichen, „die Entwicklung von marktgerechten und konsensbasierten freiwilligen Standards für den Dienstleistungssektor zu fordern.“

Die Begriffe „marktgerecht" und „konsensbasiert" sind hierbei besonders wichtig. Viele der früheren und aktuellen Versuche, Servicestandards für den Tourismusbereich zu entwickeln, orientieren sich weder am Markt noch beruhen sie auf einem Konsens. Stattdessen wurden sie oft von Normierungsbeamten vorgeschlagen. (Siehe IAAPA-Newsletter-Update vom Februar 2011.)

Gemeinsam mit den NET-Kollegen wird IAAPA im September an einem Treffen mit EU-Beamten teilnehmen, bei dem die Bedenken des Tourismussektors in Bezug auf die Dienstleistungs-Standardisierung und die neuen Vorschläge der Europäischen Kommission ganz oben auf der Tagesordnung stehen.

Das Sekretariat wird die Mitglieder über alle Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

Update Februar 2011

IAAPA Europe hat mit Kollegen anderer Tourismus-Verbände am 8. Dezember an einem Meeting in Brüssel teilgenommen um die bisher erfolgte Arbeit auf dem Gebiet der Standards für die Tourismus Industrie zu diskutieren. Das Treffen wurde von der Europäischen Behörde CEN veranstaltet um “Bedarf und Gelegenheiten” für weitere Standardisierung zu besprechen.

CEN’s Initiative geht einher mit Plänen der Europäischen Kommission, das gesamte System der Standardisierung in Europe zu überarbeiten (die Europäische Kommission finanziert große Teile der Arbeit von CEN, indem sie der Organisation Mandate für bestimmte Politik-Bereiche überträgt). Die Europäische Kommission hat im vergangenen Jahr eine öffentliche Anhörung durchgeführt, auf die IAAPA Europe geantwortet hat. Neue Vorschläge von der Kommission werden für den Zeitraum von März/April 2011 erwartet.

Währenddessen hat das Europäische Parlament just einen Bericht zum Europäischen Standardisierungs System veröffentlicht, der in den Anhörungsprozess der Kommission miteinfliessen sollte.

ISO in seiner Funktion als internationale Organisation für Standardisierung koordiniert ebenfalls die Entwicklung von Standards für touristische Dienstleistungen mit dessen technischem Kommittee, TC 228, welches von dem spanischen und tunesischen Verband geleitet wird. IAAPA Europe hat in dem Kommittee Liaison Status, womit wir an den Treffen teilnehmen können, aber kein Stimmrecht haben.

Kontroverse

Standardisierung ist auf Internationalem und Europäischem Level im Bereich des Tourismus ein kontroverses Thema, welches starke Reaktionen in vielen Europäischen Verbänden hervorruft.

Diese Kontroverse betrifft nicht solche Standards des gesunden Menschenverstands wie diese, die zum Beispiel die Sicherheit von Fahrgeschäften betrifft. Stattdessen stellt sich vielmehr die Frage, inwieweit es Standards braucht für Bereiche, wo die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens sich oft dadurch kennzeichnet, wie es sich von den angebotenen Dienstleistungen anderer abhebt.

Branchenvertreter stellen auch die Transparenz der CEN und ISO Kommittees und die Rolle der darin sitzenden Unternehmensvertreter in Frage.

Diese Kontroverse wurde auch im Rahmen der Diskussionen am 8. Dezember ausgetragen, die von starken Meinungsverschiedenheiten zwischen Unternehmensverbänden auf der einen Seite und Standardisierungs-Verbänden, Verbraucher-Verbänden und öffentlichen Behörden auf der anderen Seite geprägt waren. IAAPA Europe’es Kollegen von Hotrec haben stellvertretend für alle NET Mitglieder Ihre Sichtweise der Dinge präsentiert.

Zusagen von CEN

Das CEN Meeting endete mit einer Zusage von CEN sich mit dem Thema der Barrierefreiheit auseinanderzusetzen sowie zu prüfen inwieweit Sicherheits-Standards für Unterkünfte entwickelt warden können. Außerdem hat CEN zugesagt, in Zukunft verstärkt den Dialog mit Branchen-Verbänden zu suchen.

Update Mai 2010
Die Europäische Kommission führt eine öffentliche Anhörung zum EU Standardisierungs-System und zu möglichen Verbesserungen durch.

Standardisierung auf EU-Level ist ein kontroverses Thema wenn es auf Tourismus angewandt wird und provoziert starke Reaktionen in vielen Europäischen Handelsverbänden. Dieses betrifft natürlich nicht sinnvolle und selbstverständliche Standards wie zum Beispiel solche, die in letzter Zeit für Fahrgeschäfte und Attraktionen in Freizeitparks entwickelt wurden. Es geht eher um die Entwicklung von Standards für touristische Dienstleistungen, deren Relevanz in Frage gestellt wird, da die Wettbewerbsfähigkeit oft durch Unterschiede in den Dienstleistungen überhaupt erst bestimmt wird – und nicht dadurch, dass man das gleiche anbietet wie der Mitbewerber.

Die derzeitige Anhörung gibt allen interessierten Parteien die Möglichkeit eventuelle Besorgnis über die Art und Weise, wie Standards derzeit entwickelt werden, zu äußern. Eine Kernfrage für Tourismusverbände bleibt die Transparenz des Systems und die Platzierung von Industrie-Repräsentanten in diesem. Ein weiterer ist der potentielle Gebrauch von Standards als Basis für Gesetzgebung und Regulierung durch die Hintertür.

IAAPA Europe hat diese im Namen seiner Mitglieder beantwortet. Das Konsultationspapier kann hier und die Antwort von IAAPA Europe hier heruntergeladen werden.

Update Mai 2009
IAAPA Europe ist dem Tourismus Komitee der internationalen Normungsorganisation ISO als Beobachter beigetreten.

Standards sind technische Dokumente, die als freiwillige Regeln, Richtlinien oder Definitionen genutzt werden sollen. Sie werden von Normungsorganisationen auf nationalem, Europäischen oder Internationalen Level entwickelt, die ein immer größes Interesse an der Ausarbeitung von Standards für den Tourismus an den Tag legen.

Vertreter der Tourismusindustrie beobachten die Entwicklung sehr genau um sicherzugehen, dass neue Stanards auch praktikabel sind und den Interessen von Industrie und Verbrauchern entsprechen.

ISO
ISO hat 2006 ein technisches Komitee zu Tourismus und damit verbundenen Dienstleistungen geschaffen: TC 228, welches aus Mitgliedern von nationalen Normungsorganisationen aus der ganzen Welt besteht. Aus Europa entsenden unter anderem BSI aus England, DIN aus Deutschland und AFNOR aus Frankreich Repräsentanten.

IAAPA Europe wurde ein sogenannter Liaison Status erlaubt: damit dürfen wir das Komitee beobachten und sind in der wichtigen Position, zukünftige Standard, die unsere Mitglieder betreffen könnten, mit zu beeinflussen. Dabei arbeiten wir mit Kollegen aus der Tourismusindustrie zusammen, darunter Vertreter des Hotel- und Gaststättengewerbes, Reisebüros und Campingplätze, um nur drei Beispiele zu nennen.

Der Liaison Status gibt uns die Möglichkeit, allen Diskussionen im Komitee beizuwohnen und alle Dokumente einzusehen. Wir sowie die anderen Branchenvertreter, haben jedoch kein Stimmrecht bei Entscheidungen; dieses Recht ist ausschliesslich den 53 im Komitee vertretenen nationalen Normungsorganisationen vorbehalten

TC 228 trifft sich einmal im Jahr, in der Regel im März oder April. Die Detail-Arbeit des Komitees wird dabei von kleineren Arbeitsgruppen erledigt. Laufende Projekte sind die Entwicklung von Standards unter anderem für:

→ Sporttauchen
→ Gesundheits-Tourismus
→ Tourist Informations und Rezeptionsleistungen in Tourist Informations
→ Golf
→ Strände
→ Naturschutzgebiete

Darüber hinaus erwägt das Komitee sechs weitere Arbeitsfelder:
→ Abenteuerurlaub
→ Kongresszentren
→ Industrie-Tourismus
→ Sicherheits-Management in der Tourismusindustrie
→ Yacht-Clubs und Marinas
→ Revision eines existierenden Standards zur Terminologie im Tourismus

CENcen-logo
CEN ist die Europäische Normungsorganisation und wird zum größten Teil von der Europäischen Komission finanziert. Mit TC 329 verfügt auch CEN über ein Komitee zum Tourismus, welches unter dem Vorsitz der Deutschen Normungsorganisation DIN steht.

Dieses hat Standards zur Terminologie (Definition von Fachbegriffen für Tourist Informations, Reiseveranstalter und Reisebüros in den verschiedenen Sprachen), Sprachriesen, Sporttauchen und lokale Führungen.

Derzeit arbeitet dieses Komitee an keinen weiteren Standard. Der Standard zur Terminologie wird jedoch schon bald vom ISO Tourismus Komitee überarbeitet werden (siehe oben).

Zusätzlich zu der Arbeit von TV 329, hat CEN vor kurzem eine Reihe von Berichten zur Machbarkeit von Europäischen Standards in 11 Dienstleistungs-Kategorien an die Europäische Komission geschickt. Zwei von diesen könnten auch die Tourismus-Industrie betreffen:

→ Zugang zu Transport und Tourismus Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen.
→ CHESS (CEN’s horizontal European service standardisation strategy). Als horizontaler Standard würde dieser das Behandeln von Kundenbeschwerden, sichere Erbringung von Dienstleistungen und Konsumentenzufriedenheit regeln.

Entscheidungen zu diesen beiden werden in Kürze erwartet.