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September 2005 - German

Eine andere Dimension

Technologieexperten der Branche diskutieren den geheimnisvollen Nimbus, der 4D-Attraktionen umgibt.

Von Keith Miller

Diesjährige Besucher der Busch Gardens Williamsburg in Virginia, USA, sehen sich überrascht einer riesigen düsteren Burg gegenüber, die aus dem deutschen Areal des Parks herausragt. In der Attraktion mit dem Namen „Curse of DarKastle: Die Fahrt“, einem 4D-Ride auf dem neuesten Stand der Technik, werden Besucher auf eine gefährlich gruselige Schlittenfahrt durch die dunklen Eiskorridore eines bayerischen Schlosses geschickt. Dies ist das Neueste im Bereich der sich rasch ausbreitenden, hochtechnologischen Vergnügungspark-Attraktionen in 4D, die einige erstaunliche technologische Konstruktionen und Effekte vereinen.

Der Ride, der von Designern und Parks gleichermaßen am häufigsten als Meilenstein bei der Evolution von 4D genannt wird, ist „The Amazing Adventures of Spider-Man“ in den Islands of Adventure in Orlando, Florida von Universal. (Weitere Informationen zu „Spider-Man“ finden Sie in der Kurzbiographie von Gary Goddard, dem Designer der Attraktion, in der Oktoberausgabe von Funworld). „’Spider-Man’ war ein Prüfstein, der den Leuten zeigte, dass man etwas anders machen könnte und sie zum Denken darüber anregte, was man außerdem noch machen könnte“, meint George Johnsen, Leiter der Animations- und Technologieabteilung von Threshold Entertainment in Santa Monica, Kalifornien, der den raffinierten Ride „BORG Invasion 4-D“ für das Las Vegas Hilton in Nevada entwickelte. „Mobile Focus in 3D wurde vom Militär schon lange Zeit verwendet, aber durch ‚Spider-Man’ erreichte es den öffentlichen Unterhaltungsbereich.“

„BORG“ wurde im März 2004 eröffnet und Johnsen sagt, dass es außerdem viele fortschrittliche Technologien integriert. „Es bietet mehrere, wirklich extreme 3D-Ansichten. Außerdem bietet es seitlich ein zweites Paar Projektionsflächen, die vollkommen andere Charaktere zeigen. Alles wird in vier verschiedenen HD-Formaten vereint. Schließlich hat es noch ein riesiges, integriertes, digitales Wiedergabesystem mit 24-Kanal-Audio.

„Curse of DarKastle“ ist weiterhin ganz vorn, wenn es um 4D geht. Laut der Personen, die an diesem Projekt mitgearbeitet haben, setzt es in verschiedenen Bereichen neue technologische Standards. „’Spider-Man’ setzt den anfänglichen Standard für diese Art Attraktion, aber ich glaube, dass ‚DarKastle’ sogar noch darüber hinaus geht, vor allem wegen der hier verwendeten innovativen Technologie, wie zum Beispiel dem Design und der Realisierung von HD-Video in diesem großen Maßstab“, meint Tony Peugh, CTS-I, Leitender Projektmanager für ‚DarKastle’ für Electrosonic in Orlando, die die Steuerung für Video, Audio und die Projektion für die Attraktion bereitstellten.

Cecil Magpuri, der Gründer des Falcon’s Treehouse in Windermere, Florida, und Designer des „DarKastle“, stimmt zu. „Seit ‚Spider-Man’ haben wir eine Menge dazugelernt. ‚DarKastle’ ist kein 70mm-Film, sondern digitales Video, das nicht degradiert und nicht wie Film eingebrannt wird. Es ist daher erschwinglich“, versichert er. „Außerdem sind die Fahrzeuge, die Oceaneering ausgewählt hat, unglaublich und viel besser, als wir erwartet hatten. Sie bieten eine reibungslose Fahrt, als würde man auf Luft treiben, was in der Vergangenheit schwierig zu erreichen gewesen wäre.“

4D-Rides versus 4D-Kino

Es gibt zwei Haupttypen von 4D-Attraktionen: 4D-Rides und 4D-Kinos. Jedes hat seine Vorteile und technologischen Herausforderungen, sagt Michael Needham, der Präsident von SimEx ! Iwerks in Toronto, Ontario, Kanada, der in 30 Ländern 250 Attraktionen mit Spezialeffekten installiert hat. „Rides haben wegen ihrer Kürze weniger Handlung, und Kinos haben zwar eine längere und einfachere Show, aber auch ein größeres Fassungsvermögen“, erklärt er. „Die Programmierung eines 4D-Rides und die Wartung der Simulations- und Trackausstattung sind viel komplexer, intensiver und kostspieliger. Aber 4D-Kinositze haben inzwischen 14 oder 15 Effekte – Vibrationen, Beinkitzler, Nebel, Wasser und Gerüche“.

Busch Gardens Williamsburg hat Erfahrungen mit 4D-Fahrten und 4D-Kinos und der Vice President für Design und Technik, Larry Giles, meint: „die Fahrzeuge im Ride sind viel schwieriger einzusetzen. Hier interagiert das Fahrzeug mit der Szenerie, und die Bilder, Betrachtungswinkel und Ansichten ändern sich laufend, während es im Kino mehr wie ein Film abläuft“.

Peugh pflichtet dieser Aussage bei und fügt hinzu: „DarKastle hat neun HD 3D-Projektoren und zwei 23 Meter breite und 7 Meter hohe gekrümmte Projektionsflächen. Da steckt ganz schön viel technisches Design drin“.

Aber Johnsen erkennt bei 4D-Rides eine noch fundamentalere technische Herausforderung: „Wir haben hier mit viel Mathematik zu tun. Wir machen zahlreiche Berechnungen und der Unterschied zwischen denen für ein Kino und denen für einen Ride in Bewegung ist, dass diese Sichtlinien immer und immer wieder neu kalkuliert werden müssen. Er sieht jedoch eine Möglichkeit, bei der die Fahrtbewegung den Designvorgang erleichtert: „Das körperliche Erlebnis steuert wirklich viel zum Effekt bei und verzeiht mögliche Berechnungsfehler, während man im Kino erreichen muss, dass die Leute das Gefühl haben, in Bewegung zu sein.“

Preisgestaltung für sofortigen Einsatz

Ein Nachteil von 4D-Attraktionen, speziell der Rides, ist der hohe Kostenfaktor der Technologie. „Die Preise bewegen sich in Bereichen ab 5 Millionen US-Dollar, bis hin zu 10 oder sogar 15 Millionen US-Dollar“, enthüllt Needham. „Bei diesen hohen Preisen ist es schwer, Käufer zu finden“.

Roger Houben, der Geschäftsführer von 3DBA in Knokke, Heist, Belgien hat dieses Problem gelöst. Houben, der seit Jahren für seine Arbeit mit Achterbahnen in Vekoma bekannt ist, macht nun 4D-Attraktionen erschwinglich. „Früher bot niemand bezahlbare Lösungen an. Alles war in den Budgets von Universal und Disney“, sagt Houben. „Die Antwort darauf war, als Integrator zu fungieren und Fertiglösungen anzubieten, also holte ich Informationen von allen beteiligten Unternehmen auf der ganzen Welt ein und kooperierte mit einigen von ihnen“. Houben erklärt, dass Electrosonic und Oceaneering in den Vereinigten Staaten, Kraftwerk in Österreich und nWave in Belgien zu diesen Unternehmen gehören.

Houben gibt an, dass seine Gesellschaft kleine Attraktionen mit Videoauflösung bereits für 60.000 bis 100.000 US-Dollar anbieten kann. 3DBA hat sein erstes Kino im Minimundus Bodensee-Museum in Deutschland eröffnet und plant weitere für das Arcol Resort in Indonesien, ein FEC in Moskau und in Wissenschaftszentren in Australien und den Vereinigten Staaten.

Da die Preise für 4D-Attraktionen weiterhin fallen und mehr und mehr 3D-Filme zur Verfügung stehen, werden jetzt auch Zoos, Aquarien und Museen aktiv. Johnsen sagt, dass die starke Zunahme von wissenschaftlich orientierten Medien diese Attraktionen dazu zwingt, 4D ernsthaft in Erwägung zu ziehen. „In einem Zoo oder Aquarium reicht es inzwischen nicht [mehr] aus, ein exotisches Lebewesen zeigen zu können, weil die Leute das bereits vom Discovery Channel oder von National Geographic her kennen“, beobachtet er. „Aber jetzt können Sie Lebewesen auf eine neue und einmalige Weise präsentieren. Ein Beispiel, an dem wir gerade arbeiten, ist der Aufenthalt inmitten eines 3D-Aquariums“.

Johnsen sagt, dass die Möglichkeiten für Museen ziemlich groß sind. Mithilfe der 4D-Technologie kann ein Kunstmuseum Besucher in die Werkstätten berühmter Maler und Bildhauer führen, während andere Museen ihren Besuchern das Wiedererleben von Geschichte ermöglichen könnten. „Sie können historische Ereignisse wie Pompeji verwenden, Leute in diese Umgebung versetzen und es real gestalten... so können sie tatsächlich Geschichte erleben. Hier handelt es sich um außerordentlich wirksame Lernwerkzeuge“, bemerkt er.

So wird es tatsächlich zur Wirklichkeit

Seit den 50er Jahren tragen Kinogänger 3D-Brillen und obwohl die Videoqualität zweifellos verbessert wurde, fragen sich manche Parkbesucher, warum die Brillen nach einem halben Jahrhundert immer noch notwendig sind. „Unsere Techniker glauben nicht, dass wir so bald auf sie verzichten können“, seufzt Needham, „obwohl wir vielleicht bald mit Hologrammen arbeiten können“. Die Art und der Stil der Brillen verändert sich jedoch und sie werden vielleicht weniger abgelehnt als in der Vergangenheit. So Houben: „Es gibt einen ziemlich kleinen 3D-Plasmabildschirm, den Sie ohne 3D-Brillen betrachten können. Es passiert entwicklungstechnisch ziemlich viel, um 3D zeigen und auf Brillen verzichten zu können“.

Aber Johnsen ist sich nicht sicher, ob die 3D-Brillen wirklich so ein großes Problem sind: „Wir haben alle ‚Star Wars’ gesehen, wo Prinzessin Leia als holographische Projektion dem Bauch von R2-D2 entsteigt, aber die Projektion im freien Raum gibt es einfach noch nicht. Wenn Sie Ihren Besuchern eine langweilige Show bieten, werden sie die Brillen verabscheuen. Wenn Sie ihnen jedoch etwas kreatives und aufregendes bieten, denken sie nicht einmal daran.

Eine Art und Weise, die Brillen zu umgehen und eine tatsächliche vierte Dimension zu schaffen, ist der Einsatz echter Schauspieler, aber der Ride oder das Kino müssen ein großes Fassungsvermögen haben, um diese Kosten zu rechtfertigen. „BORG Invasion 4-D“ und „Terminator 2: 3-D“ (Universal Orlando) integrieren beide echte Schauspieler in ihre Show. „Ich glaube, dass sie großartig sind, aber die Ausführung muss gut gemacht sein“, erklärt Magpuri. „Wenn Sie es mit Voice-Overs gestalten, damit die Schauspieler nur die Bewegungen ausführen müssen, wirkt es besser, weil die Qualität von Show zu Show oder Schauspieler zu Schauspieler kontinuierlich beibehalten wird“.

Eine Technologie, die so komplex wie 4D ist, auf den heutigen Stand zu bringen, geschieht nicht ohne anfängliche Schwierigkeiten und Herausforderungen. Needham erinnert sich an einen bestimmten Vorfall, bei dem die komplexe Technologie einen kleinen Ausrutscher verursachte. „Wir eröffneten in Sudbury, Kanada, ein wunderbares 4D-Museum mit dem Namen Science North, und weil sie dort so stolz darauf waren, luden Sie die Kulturministern von Ontario ein, die in einem teuren, leuchtend roten Kostüm erschien“, erinnert sich Needham. „Wir waren noch nicht ganz mit der Anpassung all der 4D-Einstellungen fertig – wir hatten die ganze Nacht durchgearbeitet – und kamen zu dieser Szene mit einem großen Wasserschwall. Also, die Ministerin sprang aus ihrem Sitz, weil sie ziemlich durchnässt war!“

Giles stimmt zu, dass die Anpassung und Koordination aller Effekte einer 4D-Attraktion eine große Aufgabe ist: „Die größte Herausforderung ist, dass alles gut zusammenarbeitet. Sie haben Video, Audio und die vielen Effekte, die synchronisiert werden müssen“.

Die Zukunft

Die jüngsten Entwicklungen im 4D-Bereich sind ziemlich interessant und nun gibt es einige aufregende Möglichkeiten am Horizont. Needham sieht in den nächsten ein bis drei Jahren eine weitere Generation von 4D-Sitzplätzen voraus, die individuell programmiert werden können und Giles visualisiert das Filmen von 3D mit einer einzigen Kamera. Falcon’s Treehouse arbeitet an einem Übertragungssystem auf dem neuesten Stand der Technik, bei dem Sie auf 3D-Brillen verzichten können“, so Magpuri.

Threshold Entertainment hat verschiedene Projekte in Arbeit. „Wir haben ein Patent für einen 3D-Prozess mit unendlichem Fokus eingereicht“, sagt Johnsen. „Früher war bei 3D, wenn ein Stock auf Sie gerichtet wurde, lediglich das Ende dieses Stocks im Fokus. Heutzutage können die Leute sich umsehen und ihren Fokus auf alles andere richten. Außerdem gibt es holographische Klangprojektionen – exakt ausrichtbar und messbar. Und schließlich stehen wir kurz vor der Entwicklung eines Zellprozessors, mit dem wir reaktive 4D-Attraktionen erzeugen können. Dies führt zu sofortigen Reaktionen in verschiedenen Instanzen, bei denen augenblicklich zwischen verschiedenen Standorten innerhalb einer Attraktion oder in verschiedenen Ländern oder sogar in der Welt interagiert werden kann.