Gesetzgebung zur Sicherheit von Fahrgeschäften

Europäische Freizeitparks unterliegen einer oder mehrerer Schichten unabhängiger Überprüfungen, darunter nationale Behörden, Versicherungsunternehmen und privaten Sicherheitsfirmen. Die Gesetzgebung unterscheidet sich dabei von Land zu Land. Zusammenfassend kann man jedoch sagen, dass Parks in Europa generell strengen internen und externen Kontrollschemata unterworfen sind.

Folgend haben wir Europäische Beispiele nationaler Rechtsprechung aufgeführt. Die Ansätze unterscheiden sich in den Mitgliedsländern, Fahrgeschäfte werden jedoch stets mit Hilfe von komplexer und strenger Regulierung geprüft um Angestellten und Gästen größtmögliche Sicherheit zu gewähren.

Belgien
In Belgien wird die Regulierung der Sicherheit von Fahrgeschäften im Gesetz vom 9. Februar 1994 zur Sicherheit von Produkten und Diensleistungen, die die entsprechende EU Produktsicherheitsnorm anwendet, festgelegt. Diese Regelung wurde im königlichen Dekret (AR) vom 10. Juni 2001 auf Attraktionen ausgeweitet.

Der Besitzer eines Fahrgeschäfts ist für die Sicherheit verantwortlich. Er hat sicherzustellen, dass alle Vorgaben zur Erhöhung der Sicherheit durchgeführt wurden: dazu zählen Risikoanalyse, alle notwendigen präventativen Maßnahmen, richtige Ausschilderung, Kontrollen und Wartung. In diesem Zusammenhang wird auf EN 13.814 sowie weitere Europäische Standards verwiesen.

Der Besitzer soll über Wartung und Reparaturen Buch führen, sei dies täglich, wöchentlich, monatlich oder jährlich. Jedes Jahr soll das Fahrgeschäft von einer unabhängigen, von der belgischen Verwaltung zugelassenen Kontrollstelle überprüft und abgenommen werden.

Dänemark
In Dänemark fallen fest installierte Fahrgeschäfte unter die Zuständigkeit der nationalen Polizei-Behörde (FAP 513-1) und unterliegen der Ankündigung nr. 502 vom 17. Juni 2005 betreffend öffentliche Vergnügungen (Gesetz Nr. 444 vom 9. Juli 2004), geändert durch die Ankündigung 646 vom 26. Juni 2009.
Das Dänische System ist nahezu identisch mit dem Schwedischen. Das bedeutet:

→ Alle Fahrgeschäfte müssen von einer unabhängigen Prüfstelle geprüft und abgenommen werden, welche von der Polizei autorisiert und DANAK zertifiziert ist.

→ Alle Inspektionen erfolgen in Übereinstimmung mit der Euro Norm 13.814 sowie weiteren relevanten EU-Standards.

→ Alle Fahrgeschäfte müssen gemäß den Dänischen Bau- und Umweltvorschriften errichtet werden.

→ Alle Fahrgeschäfte müssen den nationalen Gesundheits- und Sicherheitsgesetzen folgend gebaut und betrieben werden

Die dänische Gesetzgebung ist derzeit in Revision. Die aktualisierte Fassung beinhaltet präzisere Anforderungen an Ausbildung von Ride-Operators, verpflichtende Logbücher sowie Inspektionsprozeduren.

Frankreich
Am 13. Februar 2008 wurde ein neues Gesetz zur Sicherheit von Fahrgeschäften (Loi n°2008-1369) verabschiedet. Eckpunkt dieses Gesetzes ist, dass ein Park sein eigenes Inspektions-System implementieren kann und die Ergebnisse der Inspektionen einer unabhängigen, von der französischen Verwaltung zugelassenen Kontrollstelle vorlegen muss.

→ Alle fest-installierten sowie transportablen Fahrgeschäfte müssen auf sichere Weise entworfen, gebaut, installiert, betrieben und gewartet werden.

→ Die Park-internen Wartungs- und Kontrollsysteme müssen von einer zugelassenen, unabhängigen Kontrollstelle abgenommen werden.

→ Der Name der unabhängigen Kontrollstelle sowie das Datum der letzten Prüfung müssen öffentlich aushängen.

→ Die Behörden legen der Regierung einen jährlichen Bericht zum Stand der Sicherheit in der Industrie vor.

Das Gesetz wurde verabschiedet, jedoch ist noch einiges an Arbeit vor Inkrafttreten zu erledigen. SNELAC, der französische Verband der Vergnügungsindustrie, befindet sich hierüber derzeit in Gesprächen mit den Behörden, da die Betreiber noch nicht über die Mittel zur Anwendung verfügen. SNELAC arbeitet darüber hinaus an einem Zertifizierungssystem, welches die Sicherheitsstandards in Frankreich weiter verbessern soll.

Deutschland
Die Gesetzgebung für Fahrgeschäfte leitet sich aus den Baubestimmungen der Bundesländer ab. Unter diesen zahlreichen Bestimmungen ist der Standard DIN 4112, welcher die technische Norm für alle Fahrgeschäfte darstellt.

Alle essentiellen Anforderungen von DIN 4112 sind in EN13814 enthalten, welcher diesen auch in naher Zukunft ersetzen wird. Tatsächlich ist es so, dass bereits heute EN13814 befolgt wird, sofern dieser detaillierte Anforderungen an den Entwicklungsprozess stellt als es DIN 4112 tut.

VDFU, der Deutsche Verband von Freizeitunternehmen, arbeitet an einem Manual um sicherzustellen, dass seine Mitglieder alle legalen Anforderungen entsprechen.

Italien
In Italien wird die Sicherheit von Fahrgeschäften durch das neue Gesetz D.M. 18. Mai 2007 “Norme di sicurezza per le attività di spettacolo viaggiante” geregelt, welches seit Dezember 2007 in Kraft ist.

Das Hauptziel des Gesetzes ist die Registrierung aller Fahrgeschäfte in Italien – dies gilt für neue Attraktionen, bevor diese in Dienst gestellt werden sowie für vor Dezember 2009 existierende Anlagen. Um ein Fahrgeschäft zu registrieren und die Identifikationsnummer zu erhalten ist es notwendig, den lokalen Behörden eine technische Dokumentation mit den folgenden Schriftstücken vorzulegen:

→ Technischer Bericht, ausgestellt von einem unabhängigen und zugelassenen Ingenieur oder einer akkreditierten Prüfstelle

→ Logbuch des Fahrgeschäfts

→ Betriebs- und Wartungs Handbuch des Fahrgeschäfts.

Alle Dokumente müssen in Italienisch vorliegen oder ins Italienische übersetzt sein. Als Teil der technischen Anforderungen soll das Fahrgeschäft dem „State oft he art“ entsprechen; bedeutet es soll alle nationalen (UNI 10894) und Europäuschen (prEN 13814), als auch internationale Standard wie ASTM erfüllen, sofern einige Anforderungen vom nationalen oder Europäischen nicht abgedeckt werden.

Wenn ein Fahrgeschäft gebraucht aus einem anderen Land importiert wird, kommen je nach Ausfuhrland einige besondere Regelungen zur Anwendung.

Norwegen
In Norwegen sollen alle Fahrgeschäfte vom Nationalen Büro für Gebäudetechnik- und Verwaltung überprüft und abgenommen werden, welches die Befugnis allerdings an Det Norske Veritas (DNV) übertragen hat. Fahrgeschäfte unterliegen dem Gesetz 1991-06-07, no. 0024 sowie der Bekanntmachung 1992-05-15-0339.

Darüberhinaus bildet eine detaillierte Anleitung zum Aufbau und Betrieb von Vergnügungsattraktionen aus dem Jahr 2002 den Rahmen für das norwegische Sicherheitssystem, welches einen generellen Verweis auf EN 13814 beinhaltet, darüber hinaus aber unter anderem auch Richtlinien zu Beschilderung, Feuerschutz, Lärm und Wartung auflistet.

Bevor Fahrgeschäfte in Betrieb genommen werden, werden sie einem Genehmigungsprozess durch DNV unterzogen, inklusive einer Hersteller- und Entwurf-Bewertung, technischer Überprüfung der Konstruktion, Risikobewertung sowie Betriebstests.

Ist das Fahrgeschäft in Betrieb, muss der Betreiber die Anlage gemäß den Anforderungen des Herstellers sowie DNVs warten. Die gesamte Wartung mitsamt aller Inspektionen sind in Logbüchern zu dokumentieren. DNV führt ebenfalls die jährlichen technischen Prüfungen sowie die Kontrolle der Wartungs-, Betriebs-, Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen durch. Seit 2008 sind alle DNV Inspektionsberichte öffentlich zugänglich.

Schweden
In Schweden fallen fest installierte Fahrgeschäfte unter die Zuständigkeit der nationalen Schwedischen Polizei-Behörde (FAP 513-1). Alle Fahrgeschäfte sollen von einer unabhängigen, von der Polizei anerkannten und SWEDAC zertifizierten Kontrollstelle geprüft und abgenommen werden – sowohl in Zusammenhang mit dem Bau als auch später mit den jährlichen Überprüfungen. Inspektions-Zertifikate, die den Betrieb eines Fahrgeschäfts erlauben, sollen für Benutzer einsehbar sein.

Alle Inspektionen erfolgen in Übereinstimmung mit SS-EN 13814:2005, welches, abgesehen von einigen Ergänzungen, identisch mit der Euro Norm 13.814 ist sowie allen relevanten (EN-) Standards betreffend elektrische Installationen, Feuerschutz etc.

Darüber hinaus müssen alle Fahrgeschäfte in Übereinstimmung mit den Schwedischen Bau-Richtlinien und Umweltbestimmungen errichtet werden. Zu guter letzt müssen sie den nationalen Gesundheits- und Sicherheitsgesetzen folgend gebaut und betrieben werden: das bedeutet unter anderem, dass Risikobewertungen für alle Arbeitsschritte erfolgen müssen.

Als Teil der Schwedischen Sicherheitsbestimmungen müssen Betreiber von Fahrgeschäften ein Logbuch mit Dokumentation der Wartungen und internen Inspektionen. Dieses muss unabhängigen Prüfstellen wir auch öffentlichen Behörden zugänglich sein.

Großbritannien
In Großbritannien unterliegen Fahrgeschäfte „The Health and Safety at Work etc Act 1974 (HSW Act)" sowie weiteren Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen, die von Bereitstellung und Nutzung von Werkzeug bis zur Verhinderung von Diskriminierung alles abdecken.

Dieses Vorschriften werden gebündelt durch Fairgrounds and Amusement Parks: Guidance on safe practice (HSG175). Dies regelt die Sicherheit von Arbeitgebern, Angestellten und der Allgemeinheit bei der Nutzung von Fahrgeschäften und schreibt Maßnahmen zur Kontrolle von Risiken im Bezug auf Attraktionen vor, darin inbegriffen Entwurf, Betrieb, Wartung, Reparaturen und Änderungen.

Einer der Eckpunkte der britischen Maßnahmen ist The Amusement Devices Inspection Procedures Scheme (ADIPS), welches eine ganze Reihe von Inspektionen vor Gebrauch und im Betrieb umfasst und für alle Fahrgeschäfte vorgeschrieben ist. ADIPS deckt dabei ab:

→ Alle für Fahrgeschäfte vorgeschriebenen Inspektionen;

→ Registrierung und verwaltungstechnische Kontrolle von Prüfstellen;

→ Von Betreibern benötigte Dokumentation;

Die Verbände der Vergnügungsindustrie haben beschlossen, dass nur solche Prüfstellen, die bei ADIPS registriert sind, Inspektionen und Zertifizierung von Vergnügungsanlagen vornehmen dürfen.